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Die Struktur der Fraureuth AG

Buddha

Die Qualität des Fraureuther Porzellan endete keinesfalls bei den hochwertigen Materialien. Ebenso anspruchsvoll waren die Entwürfe. Um dem in dieser Zeit stets wechselndem Geschmack gerecht zu werden wurde 1915 die Kunstabteilung in Fraureuth gegründet. Auch hier hielt man immer Ausschau nach renomierten Bildhauern, Porzellanmodelleuren und Kunstgewerblern. Diese waren zum Teil freischaffend und haben u.a. für Rosenthal, Goebel, Zeh-Scherzer, KPM, Hutschenreuther und andere noch heute namenhafte Manufakturen Modelle entworfen. Die Fraureuther Tier- und Menschenplastiken errangen Weltruhm. Die Fraureuth AG reagierte 1919 mit dem Erwerb der 1763 gegründeten traditionsreichen Porzellanfabrik Wallendorf in Thüringen, welche aufgrund des 1. Weltkrieges 1915 unter der Kämpfe & Heubach AG geschlossen wurde, auf die steigende Nachfrage an figürlichem Porzellan und Zierartikeln. Fortan war die Kunstabteilung der Fraureuth AG dort ansässig und leistete mit Kreativität und Qualität einen wesendlichen Beitrag zur Neuorientierung und zum Erfolg der Porzellanfabrik in den folgenden Jahren. Durch Einstellung der Wallendorfer Porzelliner konnte man durch deren Erfahrungen im Bereich der künstlerischen Porzellanausformung umgehend die Produktion aufnehmen. Künstler wie beispielweise Anton Grath, Carl Nacke, M. Hermann Fritz, Hans Harders und Prof. Augmüller erschaffen als freischaffende Künstler wunderbare Plastiken. Da die Modelle, welche zur Abformung dienten, meistens die Signaturen der Künstler trugen, kann man die Plastiken heute gut zuordnen. Entwürfe der Modelleure, welche fest bei Fraureuth beschäftigt waren, wurden mit dem Kürzel "E.W." (Eigene Werkstatt) versehen. Zum Betriebsleiter der Kunstabteilung in Wallendorf wird Heinz Schaubach ernannt.*

Rokokodose

Porzellanmalerei Dresden, 1917-1926

Nicht zu vergessen sind die Porzellanmaler der Abteilungen Dresden und Lichte. In der Malerei in Dresden wurde ab ca. 1917 Geschirr von Hand dekoriert. Hier wurden die beliebten Alt-Meißner Blumen, Watteaumalerei sowie Landschaften und Tiermotive aufgetragen. Außerdem wurde hier Gold- und Emailreliefmalerei auf Ziergegenständen wie u.a. Dosen oder Vasen ausgeführt.

Galeriebildkopie nach Tizian

Himmlische und irdische Liebe, 1924-1926

In der Malerei Lichte wurden ab 1917 Vasen, Dosen und Porzellanplatten mit Galeriekopien verziehrt. Da die Manufaktur Wallendorf 1915 geschlossen wurde, konnte man hier mit die besten Porzellanmaler für diesen Bereich verpflichten.

Somit stellt sich ab ca. 1919 die Fraureuth AG in folgender Gliederung dar:

Porzellanfabrik in Fraureuth, 1865-1926
Malerei in Lichte, 1917-1926
Malerei in Dresden, 1917-1926
Kunstabteilung in Wallendorf, 1919-1926

Natürlich wurde Weißware auch in anderen Porzellanmalereien dekoriert. Hier gab es z.B. die Porzellanmalereien Sonntag & Söhne sowie Langer & Jahn in Geiersthal, die Firma Pickard und Kniffin & Demarest Co. in den USA.


Ein Artikel aus "Westermanns Monatshefte" vom Juni 1919 bezüglich der Vertragsschließung der Fraureuth AG mit der Nationalstiftung beschreibt die Arbeiten der Kunstabteilung wie folgt:

"Künstlerisches Porzellan, noch vor etwa 20 Jahren einem kleinen Kreis von Begüterten zugänglich, ist Allgemeingut geworden, seit private Porzellanfabriken den Wettbewerb mit den staatlichen Manufakturen aufgenommen haben und und Erzeugnisse auf den Markt bringen, die an Güte und künstlerischer Ausführung denen der staatlichen Betriebe gleichwertig sind, deren Preise aber auch den weniger Begüterten den Erwerb möglich machen. Die Porzellanfabrik Fraureuth zu Fraureuth bei Werdau i.Sa. ist in ihrer Preispolitik sogar noch einen Schritt weiter gegangen: ohne daß die Preise ihrer Erzeugnisse höher sind als die anderer Fabriken, führt sie gemäß einem mit der Nationalstiftung geschlossenen Vertrag 20 v. H. des Kleinverkaufspreises an diese ab. So gibt jeder Käufer von Fraureuth-Porzellan zugleich sein Scherflein für die Hinterbliebenen der im Kriege Gefallenen. Dabei gehören die künstlerischen Porzellane der Fabrik Fraureuth mit zu den besten Erzeugnissen der privaten deutschen Porzellanfabriken.Tischgeschirr in weiß, mit Goldätzung oder handgemalten Blumenmustern, schöngeformte Vasen mit Unterglasurmalerei, bunte Zierteller, kleine liebe Döschen und von namhaften Künstlern modellierte Figurengruppen machen der Hausfrau wie dem Liebhaber die Wahl schwer. Die Fabrik Fraureuth hat auch wärhend des Krieges und der im folgenden Monate unablässig am Ausbau ihrer Kunstabteilung gearbeitet und eine große Anzahl neuer Modelle auf den Markt gebracht. Sie kommt damit den Wünschen der Käufer entgegen, die, z.T. gezwungen durch den Mangel an anderen Luxus- und Geschenkgegenständen, stärkeres Gefallen an künstlerischen Erzeugnissen der Porzellanfabriken gefunden haben......"


*Heinz Schaubach übernahm nach dem Konkurs der Fraureuth AG, dieses Werk. Dieser Betriebsteil wurde zwischen 1928 und 1953 unter Schaubach-Kunst, bis 1960 unter VEB Schaubach-Kunst, bekannt. Mehr hierzu finden Sie auf der Homepage Schaubachkunst.